“Es ist Deutschland hier!”
Eine diplomatische Antwort auf die Fragen eines englisch-sprachigen BBC-Reporters an Guido Westerwelle am 28. September. Gepaart mit dem Verweis, dass in Deutschland deutsch gesprochen werde so wie in England englisch, schrammt diese Äußerung nicht nur massiv an der Grenze zur Unverschämtheit entlang.

Zu undiplomatisch für das Außenministerium? Quelle: www.zdf.de
So oder so ähnlich möge man sich auch die Reaktionen vorstellen, die einem ausländischen Touristen entgegenschlagen, der in der sächsischen Schweiz die Eingeborenen dreisterweise auf englisch anzusprechen wagt.
Dabei wäre es natürlich absurd, Guido Westerwelle ausländerfeindliche Tendenzen zu unterstellen. Doch zeigt dieser mehr als ungeschickte Ausbruch, wie wenig diplomatisches Geschick der Chef-Liberale vorzuweisen hat. Wer seinen politischen Weg verfolgt hat, nimmt einen Mann wahr, der stets auf Konfrontation geht, und das häufig mit einer Note von Verbissenheit. Sozusagen ein Anti-Barroso.
Vier schwere Jahre
Natürlich ist es nicht üblich, dass deutsche Politiker auf Pressekonferenzen in Deutschland Fragen auf englisch gestellt bekommen. Und es ist auch durchaus zulässig, wenn man um eine Übersetzung bittet. Doch wie in allen anderen Lebens- und vor allem Politikbereichen ist es auch hier der Ton, der die Musik macht. Die Tatsache, dass der Reporter auf Westerwelles Aufforderung hin umgehend und ohne Murren seine Dolmetscherin einschaltete, macht ein Verständnis für die Überreaktion des zukünftigen Außenministers unmöglich.
Ganz unabhängig von der Politik der FDP werden es vier schwere Jahre für all jene, die von Berufs wegen den prsönlichen Umgang mit Westerwelle künftig pflegen müssen. Das machte der ganz und gar undiplomatische Zwischenfall deutlich. Wenn schon eine englische Frage den neuen Vize-Kanzler so in Aufruhr versetzen kann, kommen nun doch Zweifel auf, dass der FDP-Chef die Bundesrepublik angemessen im Ausland wird vertreten können – vor allem, wenn es um schwierige Verhandlungssituationen geht.
Höflich, aber bestimmt
Die Kanzlerin mag parteipolitisch ihren Wunschkandidaten gefunden haben. Die Zusammenarbeit mit Frank-Walter Steinmeier wird sie jedoch sicher vermissen. Es bliebt zu hoffen, dass in den Koalitionsverhandlungen doch noch ein anders Amt für Westerwelle herauskommt und das Außenministerium etwa an die Bayern geht. Wahrscheinlich ist dass freilich nicht, aber eine Hoffnung, die man haben kann. “Höflich, aber bestimmt” ist ein Leitsatz der Diplomatie, den Westerwelle eben nur zur Hälfte erfüllt.